Global Markets Sunday News
Kursfeuerwerk in Europa
Die Finanzmärkte befanden sich diese Woche auf Rekordjagd. Dank solider Quartalszahlen der Unternehmen und einer relativen Entspannung der Lage im Nahen Osten erreichten die Indizes in Europa und an der Wall Street neue Höchststände.
Auch die unerwartet schwachen US-Arbeitsmarktdaten wurden von den Anlegern wohlwollend aufgenommen. Die Zahlen dämpften die Erwartungen hinsichtlich einer Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank Fed im September.
Tops & Flops der Woche
Tops Europa
WPP plc +37,73 %: Der britische Werberiese profitierte von überraschend guten Halbjahreszahlen. Dabei übertrafen die Ergebnisse des 2. Quartals die Prognosen. Zudem bestätigte der Konzern seine Ziele für das Geschäftsjahr, was die Anleger vollends beruhigte.
Sivers Semiconductors +31,42 %: Für den schwedischen Halbleiterhersteller ging es wieder bergauf, nachdem Jane Street nicht mehr in der schwedischen Liste der Leerverkäufer erschien. Die Auflösung von Short-Positionen durch einen der am intensivsten beobachteten Marktakteure reichte aus, um dem Kurs wieder Auftrieb zu verleihen – ganz ohne Meldungen zum operativen Geschäft.
Kingspan Group +19,75 %: Dank der explodierenden Nachfrage nach Rechenzentren hob der irische Dämmstoffhersteller seinen Ausblick für 2026 an. Hinzu kam die Aussetzung des Aktienrückkaufprogramms im Volumen von 650 Mio. EUR, die ein Zeichen für eine Neuausrichtung der finanziellen Prioritäten setzt.
Hensoldt +13,24 %: Die veröffentlichten Geschäftszahlen spielten dem deutschen Rüstungskonzern in die Karten. Den Ergebnissen kam eine hohe Auftragsdynamik vor dem Hintergrund steigender Verteidigungsausgaben in Europa zugute. Das Unternehmen bestätigte alle Prognosen für das Geschäftsjahr. Dennoch senkten die Analysten von Jefferies ihre Einschätzung auf Neutral, hoben andererseits aber das Kursziel auf 98 EUR an.
Eurazeo +12,87 %: Die französische Private-Equity-Gesellschaft hat exklusive Verhandlungen mit der in der Schweiz ansässigen Partners Group aufgenommen – mit dem Ziel, ihre Beteiligung an Aroma-Zone zu veräußern. An der Beauty-Marke hält Eurazeo seit 2021 die Mehrheit. Ein Exit im Rahmen der Capital-Strategie, der belegt, dass das Unternehmen Portfoliopositionen gewinnbringend abstoßen kann.
Exosens +10,58 %: Der französische Anbieter von optoelektronischen Detektions- und Bildgebungssystemen rückt an die Spitze des Index SBF 120. Zu verdanken war dies unter anderem den Analysten von JP Morgan, die das Kursziel von 71 auf 73 EUR anhoben. Auch Berenberg sprach für den Titel eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 72 EUR aus. Beide Research-Häuser begrüßen den Ausbau der Präsenz im Verteidigungssektor.
Flops Europa
Zalando -12,92 %: Nach den vom Markt negativ aufgenommenen Quartalszahlen brach der Kurs der deutschen Online-Modeplattform ein. Der Markt bestrafte das als schleppend wahrgenommene Wachstum und die vorsichtigen Prognosen des Unternehmens. Diese stehen im Gegensatz zur Euphorie am übrigen europäischen Aktienmarkt, der neue Rekorde anvisiert.
Vallourec -10,91 %: Der französische Stahlkonzern litt unter einer negativen Einschätzung von Morgan Stanley. Die Analysten hielten an ihrer neutralen Einschätzung fest und senkten das Kursziel von 22,30 auf 21,50 EUR. Die Abwärtskorrektur belastete die Aktie bereits am Montag.
Lufthansa -7,68 %: Nach deutlich unter den Erwartungen liegenden Quartalszahlen wurde die führende europäische Fluggesellschaft abgestraft. Der durch die Spannungen im Nahen Osten ausgelöste Anstieg der Kerosinpreise verursachte Mehrkosten in Höhe von 750 Mio. EUR und ließ das EBIT um 56% auf 383 Mio. EUR schrumpfen. Darüber hinaus korrigierte die Lufthansa ihren Gesamtjahresausblick nach unten, was den Druck auf den Kurs weiter erhöhte.
SES -5,04 %: Der luxemburgische Satellitenbetreiber verlor an Terrain, nachdem Barclays das Kursziel von 7,05 auf 5,15 EUR gesenkt hatte. Dabei bekräftigte die britische Bank ihre Empfehlung, den Titel unterzugewichten. Dieses negative Signal überwog die positiven Meldungen zum Unternehmen, das neben Hispasat und Eutelsat den Zuschlag für das europäische Satellitenprogramm IRIS erhalten hatte.
Aumovio -5,9 %: Der deutsche Automobilzulieferer gab nach, da die Halbjahreszahlen als enttäuschend bewertet wurden. Der bereinigte Umsatz sank im Jahresvergleich um fast 9%. Zudem korrigierte das Management seine Prognosen für das Geschäftsjahr nach unten. Demnach wird nun ein Umsatz zwischen 17,0 und 17,5 Mrd. EUR erwartet. Belastet wurden die Quartalszahlen darüber hinaus durch einen Vergleich aus einem früheren Rechtsstreit mit BMW.
Eutelsat -0,44 %: Für den Satellitenbetreiber ging es zum Wochenausklang bergab, nachdem die Geschäftsjahresergebnisse zwar den Erwartungen entsprachen, die Zielvorgaben vom Markt jedoch als zu konservativ beurteilt wurden. Die Analysten von Oddo BHF blieben bei ihrer Empfehlung Neutral und verwiesen in diesem Zusammenhang auf nach wie vor bestehende Herausforderungen.
Tops USA
SiTime Corporation +35,52 %: Der US-Anbieter von Timing-Lösungen für die Halbleiterbranche legte am Donnerstag dank weit über den Erwartungen liegender Ergebnisse für das 2. Quartal zu. So belief sich der Umsatz auf 157,4 Mio. USD, während die Marktschätzung bei lediglich 146,5 Mio. USD gelegen hatte. Auch der bereinigte Gewinn konnte gesteigert werden.
Chime Financial +26,58 %: Die US-Neobank verzeichnete am Donnerstag einen kräftigen Kurssprung, nachdem sie für das 2. Quartal einen Umsatz von 669,8 Mio. USD vermeldet hatte. Dieser lag deutlich über der Konsensschätzung von 641,3 Mio. USD. Gleichzeitig kehrte die Bank in die Gewinnzone zurück. Daraufhin hob sie das Jahresumsatzziel auf 2,725-2,745 Mrd. USD an, das nun über den vom Markt erwarteten 2,68 Mrd. USD liegt.
Insmed +32,96 %: Das US-amerikanische Biotech-Unternehmen vermeldete am Donnerstag weit über den Erwartungen liegende Quartalsergebnisse. Im 2. Quartal erreichte der Umsatz 425,5 Mio. USD und übertraf damit die Marktschätzung von 393,7 Mio. USD. Auch der Verlust je Aktie lag mit nur 0,06 USD deutlich unter den erwarteten 0,69 USD.
Caci International +29,47 %: Der US-Anbieter von IT- und Engineering-Dienstleistungen für den Verteidigungssektor veröffentlichte am Donnerstag über Erwarten gute Quartalszahlen. So lag der bereinigte Gewinn je Aktie bei 8,91 USD; im FactSet-Konsens waren dagegen nur 7,26 USD prognostiziert worden. Daraufhin setzte der Titel zum Höhenflug an. Der Ausblick für das Geschäftsjahr 2027 bestärkte die Anleger in ihrem Optimismus. In diesem Zusammenhang verwies Truist auf das erwartete solide 2. Halbjahr.
Bending Spoon +26,28 %: Der App-Entwickler profitierte von der angekündigten Übernahme der Datenmanagement-Plattform Airtable für 1,29 Mrd. USD in bar – der erste Expansionsschritt seit dem Börsengang.
Flops USA
Davita -23,46 %: Der US-Marktführer im Bereich Dialyse veröffentlichte am Mittwochabend die Zahlen für das 2. Quartal. Der Umsatz lag mit 3,55 Mrd. USD leicht über den erwarteten 3,50 Mrd. USD. Andererseits enttäuschte der Gesamtjahresausblick für den bereinigten Gewinn je Aktie. Dieser soll laut Davita zwischen 14,10 und 15,20 USD liegen, während der Markt mit 14,88 USD rechnet.
Western Digital -20,29 %: Die Aktie des Herstellers von Festplatten und Flash-Speichern brach am Donnerstag ein, obwohl die Ergebnisse des 4. Quartals die Erwartungen übertrafen. Der bereinigte Gewinn je Aktie belief sich auf 3,56 USD (Prognose: 3,27 USD), der Umsatz lag bei 3,75 Mrd. USD. Angesichts der bereits eingepreisten überaus hohen Erwartungen beurteilte der Markt die Prognosen für das 1. Quartal des Geschäftsjahres 2027 als unzureichend.
Hut 8 -17,69 %: Der US-Krypto-Miner wurde am Dienstag für die enttäuschenden Zahlen des 2. Quartals abgestraft. Der Umsatz in Höhe von 74,9 Mio. USD verfehlte die von FactSet prognostizierten 79,2 Mio. USD. Der Verlust je Aktie lag bei 1,27 USD – mehr als das Doppelte der erwarteten 0,55 USD.
Applovin -12,4 %: Für die US-Technologieplattform, die Entwickler bei der Monetarisierung und Vermarktung ihrer mobilen Apps unterstützt, ging es am Donnerstag nach der Veröffentlichung enttäuschender Ergebnisse für das 2. Quartal steil abwärts. Angesichts der zuvor bestehenden hohen Erwartungen zeigte sich der Markt enttäuscht. Die Analysten von Morgan Stanley relativierten dies jedoch und schrieben die schwachen Zahlen eher Umsetzungsproblemen als strukturellem Gegenwind zu.
Rohstoffe
Energie
Die Rohölmärkte bewegten sich diese Woche im Spannungsfeld der Entwicklungen um die Straße von Hormus. Zu Wochenbeginn brach der Preis für die Nordseesorte Brent zunächst um 11% ein, da die Märkte eine formelle Einigung zwischen Washington und Teheran auf eine Wiederöffnung der strategisch wichtigen Meerenge erwartet hatten. Am Donnerstag kam es dann zu einem Umschwung, als eine parlamentarische Kommission im Iran einen Gesetzesentwurf vorlegte, der amerikanischen und israelischen Schiffen die Durchfahrt durch die Meerenge verbietet. Bei Verstoß drohen Geldbußen in Höhe von bis zu einem Fünftel des Frachtwerts. Der Preis für die Sorte Brent kletterte daraufhin auf rund 84 USD, gab allerdings am Freitag wieder leicht nach.
Metalle
Edelmetalle feiern Comeback
Gold und Silber zählten zu den Gewinnern der Woche. Rückenwind erhielten sie von dem schwächeren Dollar und der Ungewissheit über die weitere Zinsentwicklung. Gold verteuerte sich im Wochenverlauf um 7% auf 4.350 USD je Feinunze. Silber legte ebenfalls zu und notiert aktuell bei rund 64 USD je Feinunze. Auftrieb erhielten die Edelmetalle durch die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten und den recht deutlichen Rückgang des US-Dollars als Reaktion auf die jüngsten Daten.
Auch Kupfer glänzte mit einem neuen Rekord von über 14.000 USD je Tonne an der LME. Der Preisanstieg beschleunigte sich, nachdem das Verbot der Demokratischen Republik Kongo für den Export von Kupfer- und Kobaltkonzentraten Angst vor Angebotsengpässen ausgelöst hatte.
Agrarrohstoffe
In Chicago befindet sich der Weizenpreis trotz der anhaltenden Spannungen im Schwarzen Meer in einer Konsolidierungsphase. Die jüngsten Angriffe auf Schiffe und Hafeninfrastruktur in der Ukraine und in Russland schüren die Sorgen hinsichtlich der Ausfuhren der Region. Der Preis für Weizen fiel auf 655 Cent je Scheffel, Mais verbilligte sich auf 466 Cent (Fälligkeit im September 2026).
Makroökonomie
Marktstimmung
In den vergangenen Monaten hatten die Arbeitsmarktberichte für positive Überraschungen gesorgt. Im Juli folgte dann eine abrupte Kehrtwende. Statt der von Wirtschaftsexperten prognostizierten Schaffung von 80.000 neuen Stellen in der US-Wirtschaft wurden 23.000 Stellen abgebaut. Außerdem wurden die Zahlen für die beiden vorangegangenen Monate um 103.000 Stellen nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote sank jedoch auf 4,1%. Da diese eigentlich schlechten Nachrichten für die Aktienmärkte gut sind, reagierten diese positiv, während die Anleiherenditen im Anschluss an die Veröffentlichung des Berichts sanken. Die unerwartet schwachen Zahlen nehmen etwas Druck von der US-Notenbank Fed. Aktuell wird wieder mehrheitlich ein Festhalten am Status quo beim Treffen im September erwartet, während bislang mit einer Zinserhöhung gerechnet wurde.
Kryptowährungen
Der Bitcoin (BTC) verharrt seit Anfang Juli bei rund 65.000 USD. Nachdem er letzte Woche um 2,82% nachgegeben hatte, gewann er seit Montag wieder 2,64% hinzu. Unter dem Strich tendiert der BTC im genannten Zeitraum also seitwärts. Bei den Stablecoins zeigt sich dagegen eine höhere Dynamik. Nach der Ankündigung des OUSD, eines Stablecoins, der in Kooperation mit mehr als 140 Branchenriesen der US-Finanzwelt konzipiert wurde, gab nun auch Circle diese Woche die geplante Entwicklung einer Blockchain bekannt, die speziell auf die Nutzung seines Stablecoins USDC ausgerichtet ist. Auch hier sind Schwergewichte wie Visa, Mastercard oder BlackRock mit von der Partie. Die institutionellen Anleger scheinen also Bitcoin & Co. in diesem Sommer links liegen zu lassen, um sich auf den Krypto-Dollar zu konzentrieren, was Stablecoins zu echten Gewinnern des Sommers 2026 machen könnte. Auch bei den anderen wichtigen Kryptowährungen tat sich nicht viel: Der Ether (ETH) stieg um lediglich 2% auf etwa 1.920 USD, der Solana (SOL) und der Binance Coin (BNB) verharrten bei rund 73 USD bzw. 591 USD.
Ausblick
Die Berichtssaison für das 2. Quartal neigt sich ihrem Ende zu. Nach der Zahlenflut der letzten Wochen wird es nun deutlich ruhiger.
Das wichtigste Signal kam aus den USA: Dort verzeichneten die Unternehmensgewinne ein außergewöhnlich starkes Wachstum. Direkt oder indirekt mit künstlicher Intelligenz verbundene Sektoren steuerten maßgeblich dazu bei. Die massiven Investitionen in diese Technologie befeuern zweifellos die US-Wirtschaft.
Die europäischen Börsen sind kaum zu stoppen und zahlreiche Indizes erzielten im Wochenverlauf neue Rekorde.
Kommende Woche stehen die aktuellen Preisindizes in den USA auf dem Programm. Am Dienstag wird die Inflationsrate im Juli veröffentlicht, am Mittwoch folgen die Erzeugerpreise. Auf Unternehmensebene präsentieren Cisco, Applied Materials, Tencent, CoreWeave, Alcon und Adyen ihre Ergebnisse.