Global Markets Sunday News

Noch eine Hürde

Für die Finanzmärkte war es eine volatile Woche. Starke Schwankungen bei Technologiewerten, insbesondere im Halbleiterbereich, und wieder zunehmende Spannungen im Nahen Osten prägten das Geschehen. Der neuerliche Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran zur Wochenmitte schickte die Ölpreise nach oben und gefährdet die bislang geltende Waffenruhe. Dennoch behielten die Marktteilnehmer die Nerven und scheinen auf eine diplomatische Lösung zu setzen. Donald Trump ließ am Freitagnachmittag verlauten, dass eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Teheran möglich sei. Ein konkreter Vorstoß in diese Richtung wurde allerdings bislang nicht bestätigt. Nächste Woche fällt der Startschuss für die Berichtssaison, sodass weiterhin Vorsicht angesagt ist.

Tops & Flops der Woche

Tops Europa

Keller +25,62 %: Für den britischen Tiefbau- und Geotechnikkonzern ging es bergauf. Das Management zeigt sich nun zuversichtlich und rechnet für 2026 mit einem über den Erwartungen liegenden Umsatz und bereinigten Betriebsergebnis. Die Analysten von Berenberg schlossen sich der Einschätzung an und hoben das Kursziel und die Prognosen an.

Easyjet +20,42 %: Die britische Billig-Airline hat das Übernahmeangebot des Finanzinvestors Apollo grundsätzlich angenommen. Die Offerte in Höhe von 5,7 Mrd. GBP liegt über der des Mitbewerbers Castlelake und stößt beim Verwaltungsrat der Fluggesellschaft auf Zustimmung. Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt der endgültigen Vereinbarung der Konditionen für die Transaktion.

Playtech +22,1 %: Erfreuliche Wende für den britischen Softwarehersteller für Online-Glücksspiele: Das Unternehmen korrigierte seinen Ausblick nach oben und rechnet nun für 2026 mit einem über Erwarten hohen Gewinn. Zu der Anpassung trägt maßgeblich das Geschäft in den Vereinigten Staaten und Lateinamerika bei.

Schott Pharma +15,83 %: Nachdem der deutsche Hersteller von Fläschchen und Spritzen für injizierbare Medikamente nach einem soliden Quartal seine Jahresziele angehoben hatte, startete die Aktie zu einem Höhenflug. Der Rechtsstreit mit einem Großkunden, der die Gewinnwarnung vom Dezember ausgelöst hatte, ist endlich beigelegt. Das sorgt am Markt für Beruhigung. Die Analysten von RBC geben für den Titel nun wieder eine Kaufempfehlung ab.

Jet2 plc +16,96 %: Die Sommerbuchungen laufen auf Hochtouren und beflügeln den britischen Reiseveranstalter und Fluganbieter. Ungeachtet der Spannungen im Nahen Osten sorgt das für Zuversicht, denn der Markt würdigt die weiterhin hohe Nachfrage nach Reisen in den Mittelmeerraum.

Vodafone +11,55 %: Paukenschlag beim britischen Telekommunikationskonzern: Xavier Niel erwirbt für 5,95 Mrd. USD die Beteiligung von Emirates Telecommunications und steigt damit zum größten Aktionär auf. Der Markt begrüßte den Einstieg eines Ankeraktionärs, wertete er den Schritt doch als Vertrauensvotum für die Strategie des Konzerns.

Fincantieri +6,19 %: Der italienische Schiffbauer nimmt Kurs auf die Tiefsee. Nach der Übernahme von vier Anbietern von Unterwassertechnologien für insgesamt 600 Mio. EUR schoss die Aktie in die Höhe. Dank der Transaktion könnte Fincantieri seine für 2030 gesetzten Ziele bereits vier Jahre früher erreichen.

Flops Europa

IQM Quantum Computers -4,53 %: Dem finnischen Vorreiter im Quantencomputing verhagelt eine Welle von Insiderverkäufen den Kurs. Mehrere Top-Manager und verbundene Unternehmen haben die von ihnen gehaltenen Aktien bereits in den ersten Handelstagen verkauft. Dieses nach einem Zusammenschluss häufig zu beobachtende Phänomen belastet den ohnehin bereits durch eine verhaltene Marktreaktion geschwächten Kurs.

Sivers Semiconductors -16,02 %: Nach der Ausgabe von fast 23 Millionen neuen Stammaktien zugunsten von Bootstrap verlor der schwedische Halbleiterhersteller an Terrain. Der Deal ergibt sich aus der Umwandlung eines Wandeldarlehens in Höhe von 12 Mio. USD und führt unmittelbar zu einer Verwässerung, die den Kurs schwer belastet.

Soitec -16,45 %: Der Kurs des französischen Herstellers von Halbleitermaterialien brach im Fahrwasser der Branche ein, nachdem Samsung Electronics enttäuschende vorläufige Quartalszahlen veröffentlicht hatte. Die Meldung löste starken Verkaufsdruck auf alle europäischen Werte des Sektors aus. Die bereits durch eine ungünstige Chartentwicklung geschwächte Aktie zählt zu den größten Verlierern im Referenzindex.

Plejd -15,76 %: Nach Veröffentlichung der Zahlen des 2. Quartals verlor der schwedische Smart-Home-Technologiekonzern mit Schwerpunkt auf smarter Beleuchtung an Boden. Umsatz (274,6 Mio. SEK) und operatives Ergebnis (61,8 Mio. SEK) verfehlten die Markterwartungen von 281 bzw. 73 Mio. SEK. Die an positive Überraschungen gewöhnten und sensibel auf das ambitionierte Bewertungsniveau des Konzerns reagierenden Anleger zeigten sich enttäuscht.

Fresnillo plc -9,79 %: Schlag ins Kontor für den weltweit größten Produzenten von Primärsilber: Barclays-Analyst Amos Fletcher senkte das Kursziel von 3.775 auf 3.200 GBX, blieb jedoch bei seinem neutralen Votum. Die im Wochenverlauf rückläufigen Gold- und Silberpreise verstärkten den Verkaufsdruck auf die Aktie. Der Titel reagiert empfindlich auf jede Schwankung der Edelmetallpreise.

KGHM -7,78 %: Auf die Vorstellung seiner Strategie „2055+“ folgte für den großen polnischen Kupfer- und Silberminenbetreiber eine eher verhaltene Marktreaktion. Das Rekord-Investitionsprogramm in Höhe von über 32 Mrd. PLN bis 2030 würde mehr als die Hälfte des angestrebten bereinigten EBITDA vor Steuern und Dividenden aufzehren. Die Anleger hinterfragen, ob der enorme Kapitalaufwand mit dem erklärten Ziel vereinbar ist, weiterhin regelmäßig Dividenden an die Aktionäre auszuschütten.

Tops USA

Hewlett Packard Enterprise +17,73 %: Der US-Entwickler von KI-Servern profitiert von der Ankündigung einer Kooperationsvereinbarung mit Qblox zur Entwicklung hybrider Testumgebungen, die klassische IT und Quantencomputing-Technologien verbinden. Die Meldung weckte erneut das Interesse der Anleger an dem Titel.

Flops USA

Ionis Pharmaceuticals -28,79 %: Ionis musste einen Rücksetzer hinnehmen, nachdem ein Top-Manager Aktien des US-Pharmaunternehmens im Wert von 1,74 Mio. USD verkauft hatte. Am Markt kam dieser Schritt gar nicht gut an. Dass Ionis die Finanzprognosen für das Geschäftsjahr 2026 am 10. Juli bekräftigte, reichte offenbar nicht aus, um die Bedenken der Anleger zu zerstreuen.

Paramount Skydance -9,43 %: Der aus dem Zusammenschluss mit Skydance hervorgegangene US-Medienkonzern sieht sich bei der geplanten Übernahme von Warner Bros. Discovery gleich zwei regulatorischen Hürden gegenüber. Die vom US-Bundesstaat Oregon eingeleitete Untersuchung verzögert den Fortgang der Transaktion. Zudem erwägen weitere US-Bundesstaaten die Einleitung rechtlicher Schritte zu ihrer Blockierung.

Rohstoffe

Energie

Die Ölpreise beendeten die Woche trotz eines leichten Rückgangs zum Wochenschluss im grünen Bereich. Die Nordölsorte Brent bewegte sich im Bereich von 76,60 USD je Barrel, die US-Referenzsorte WTI bei 72 USD. Damit verbuchten beide ein Wochenplus von 4 bis 5%. Die anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Iran unterstützen weiterhin maßgeblich die Entwicklung des Marktes. Die größte Sorge bereitet den Anlegern nach wie vor die Straße von Hormus. Dort scheint der Schiffsverkehr nach einer neuen Serie von US-Angriffen auf iranische Infrastruktur und Vergeltungsmaßnahmen aus Teheran deutlich zu stocken. Die rückläufigen Handelsströme schüren Ängste vor weltweiten Energieengpässen und fördern Preisaufschläge bei Rohöl. Dennoch verfallen die Marktteilnehmer nicht in Panik. Die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen den USA und Iran begrenzen die Spannungen, wenngleich die Situation extrem fragil ist. Bislang hoffen die Anleger darauf, dass die beiden Konfliktparteien eine unkontrollierte Eskalation vermeiden können. Außerdem werden die Preise noch durch einen anderen Faktor unterstützt, denn Russland hat seine Dieselexporte nach mehreren ukrainischen Angriffen auf seine Raffinerien bis Ende Juli ausgesetzt. Das setzt den Markt, der ohnehin schon empfindlich auf die geringste Gefahr für das weltweite Angebot reagiert, zusätzlich unter Druck.

Metalle

Der Goldpreis kommt einfach nicht in Schwung. Selbst die wieder verschärften Spannungen zwischen den USA und Iran lösten nicht die altbekannte reflexartige Flucht in sichere Häfen aus. Anleger sorgen sich vor allem um die Folgen der Krise für die Energiepreise. Denn ein Ölpreisanstieg könnte die Inflation wieder anheizen und die US-Notenbank dazu veranlassen, längere Zeit an dem erhöhten Zinsniveau festzuhalten. Dieses Szenario ist für Gold ungünstig, da attraktive Renditen den Goldpreis automatisch bremsen. Trotz dieses ungünstigen Umfelds konnte sich Gold über der symbolischen Marke von 4.000 USD halten. Für Kupfer war es eine turbulentere Woche. Nach anfänglichen Verlusten durch die wieder zunehmende Risikoaversion erholte sich der Kupferpreis anschließend durch die Abwertung des Dollars und die Hoffnung auf eine Entspannung der Lage im Nahen Osten. Dreimonatige Kupferkontrakte beendeten die Woche an der LME bei rund 13.500 USD je Tonne. Die Anleger verfolgen jedoch sehr genau die Auswirkungen des Konflikts auf die Inflation, die Zinsen und das Wachstum der Weltwirtschaft. Da Kupfer sehr empfindlich auf den Konjunkturzyklus reagiert, dürfte die Preisentwicklung des Metalls weiterhin stark von den Erwartungen hinsichtlich der US-Geldpolitik und der Risikobereitschaft geprägt sein.

Agrarrohstoffe

Die Getreidepreise beendeten die Woche in Chicago im Plus. Mais notiert aktuell bei 433 Cent, Weizen bei ca. 633 Cent und Soja stieg weiter auf 1.178 Cent. Die optimistische Stimmung ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Den jüngsten Wettervorhersagen zufolge ist erneut mit ergiebigen Regenfällen und milderen Temperaturen im US-amerikanischen Corn Belt zu rechnen. Für die Marktteilnehmer sind das nach der jüngsten Hitzewelle erfreuliche Aussichten, die Sorgen vor Ernteausfällen verringern.

Makroökonomie

Marktstimmung

Die erneut aufflammenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA, die zwangsläufig zu steigenden Ölpreisen führen, scheinen den Markt nicht zu verunsichern. Seit fast einem Monat beobachten wir eine Sektorrotation weg von Technologiewerten (vor allem Halbleitertitel) und insbesondere hin zu Werten aus den Sektoren Gesundheitswesen und Finanzen sowie Small-Caps. Das beschriebene Muster scheint mit der Bildung eines Allzeithochs kaum vereinbar zu sein, selbst wenn man bedenkt, dass die geringen Handelsvolumina im Sommer vorübergehend zu erhöhter Volatilität führen können. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ist erneut auf knapp 4,58% (dem Höchststand vom Juni) gestiegen, und der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen vergrößert sich weiter. Diese Entwicklung begünstigt gleichzeitig den US-Dollar gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung.

Kryptowährungen

Der Bitcoin setzte seinen Aufwärtstrend der letzten Woche moderat fort und stieg um 1,30% auf 64.400 USD. Damit verbuchte er im Juli bisher insgesamt ein Plus von 10%. Auf den desaströsen Juni folgt also offenbar erst einmal eine Atempause. Vergangenen Monat hatte der BTC 20% an Wert verloren. Ein ähnlich starker Rückgang war zuletzt im Juni 2022, also vor vier Jahren zu beobachten. Damals kam es zu zahlreichen Insolvenzen, das Terra/Luna-Ökosystem kollabierte, die Inflation schoss in die Höhe und die Leitzinsen stiegen. Vier Jahre danach steigt auch die Inflation ebenso wie die Wahrscheinlichkeit von Leitzinserhöhungen wieder an, doch ist die Lage im Kryptouniversum nun weniger katastrophal. Der Bitcoin hat vor allem zugunsten aller Bereiche rund um die künstliche Intelligenz an Anziehungskraft verloren. Auch bei den anderen wichtigen Kryptowährungen tat sich nur wenig. Der Ether (ETH) legte leicht um 0,6% zu und näherte sich der Marke von 1.800 USD. Der Solana (SOL) tendierte seitwärts um ca. 80 USD. Der Binance Coin (BNB) trat bei etwa 575 USD auf der Stelle.

Ausblick

Nächste Woche rücken die Unternehmen wieder in den Mittelpunkt und US-Banken werden den Zahlenreigen für das 2. Quartal eröffnen. Im Allgemeinen ist das eine gute Phase, wenn die Unternehmen die Analystenschätzungen übertreffen und ihre Ziele nach oben korrigieren. Allerdings sind die Erwartungen zu Beginn dieser Berichtssaison recht hoch. Laut Bloomberg rechnen die Analysten in diesem Jahr für die Unternehmen im S&P 500 mit einem Gewinnwachstum von 25%. Wehe wenn sie enttäuscht werden! Des Weiteren stehen kommende Woche die US-Inflationszahlen und die Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh vor dem Kongress auf dem Programm.

S&P 500 Heatmap

S&P 500 Entwicklung in 2025

US-Anleihenrendite

2-jährige US-Anleihenrendite

10-jährige US-Anleihenrendite

Korrelation zwischen Goldpreis und US-Dollar

Aktiensuche

Top- & Flop-Aktien

16. Juli 2026 (EOD)

Europa

USA

Asien

Währungen

EUR - USD

JPY - USD

Kryptowährungen

Bitcoin - USD

Ethereum - USD

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