Global Markets Sunday News
Wallstreet fünfte Woche im Minus
Tops & Flops der Woche
Tops / Europa
Lanxess +51,59 %: Der auf Zusatzstoffe spezialisierte Chemiekonzern profitiert davon, dass die Sperrung der Straße von Hormus die asiatische Konkurrenz lahmlegt. Denn so lassen sich massive Preiserhöhungen durchsetzen. Auch dem Chemikalienhändler IMCD +21,01 % und dem Spezialchemieanbieter Arkema +15,25 % kommt die Krise zugute.
Puig +13,77 %: Fusionsgespräche mit Estée Lauder treiben den Kurs des spanischen Herstellers von hochpreisigen Parfums und Kosmetika in die Höhe. Wenn beide gemeinsame Sache machen, könnte im Luxusparfumsegment ein ernstzunehmender Konkurrent für L’Oréal entstehen.
Technip Energies +8,37 %: Die iranischen Angriffe auf die Flüssiggas-Anlage Ras Laffan in Katar kommen dem Anlagenbauer indirekt zugute. Technip Energies gehört dort zu den wichtigsten Anbietern am Markt für Verflüssigungsanlagen und steht damit für den anstehenden Wiederaufbau in der Pole Position.
Galderma +5,28 %: Für den Schweizer Dermatologie-Spezialisten ging es aufwärts, nachdem die FDA eine Zulassung für Restylane Contour für den Schläfenbereich erteilt hatte. Mit dem Präparat lassen sich Volumenverluste im Gesicht korrigieren, die durch die Verbreitung von Abnehmmedikamenten immer mehr Menschen betreffen
Flops / Europa
Valneva -39,4 %: Der Kurs des französischen Pharmakonzerns ging auf Talfahrt, nachdem sein Impfstoff gegen Lyme-Borreliose den primären Endpunkt in klinischen Studien verfehlt hatte. Zwar wurde eine Wirksamkeit nachgewiesen, diese fiel aber weniger hoch aus als erhofft.
Exail -23,14 %: Dass Aktionär Gorgé im Schnelldurchlauf 600.000 Aktien des Konzerns mit einem Abschlag von 9% verkauft hat, brachte den französischen Technologiekonzern, der auf Robotikanwendungen für zivile und militärische Zwecke spezialisiert ist, unter Druck.
Boliden -13,39 %: In einer Pressemitteilung hat der Bergbaukonzern angekündigt, dass die Förderung nach dem Produktionsstopp in der Garpenberg-Mine wieder aufgenommen, aber stark zurückgefahren werde. Das EBITDA wird dadurch im 1. Quartal um ca. 400 Mio. SEK niedriger ausfallen.
Edenred -12,59 %: Der französische Zahlungsdienstleister rutschte ab, nachdem bekannt geworden war, dass die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM Ermittlungen wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung aufgenommen hat. Dem Konzern wird vorgeworfen, den großen Einzelhandelsketten unverhältnismäßig hohe Kosten aufgebürdet zu haben.
Hapag-Lloyd -21,86 %: Die Container-Reederei musste Kursverluste hinnehmen, nachdem sie die Mehrkosten durch die Krise im Iran auf 40 bis 50 Mio. USD pro Woche beziffert hatte. Höhere Treibstoffkosten und Versicherungsprämien sowie kostspielige Zwischenlagerungen lasten schwer auf dem Geschäft. Im Geschäftsjahr sind Umsatz und Nettoergebnis gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken.
Tops / USA
AVIS Budget +48,6 %: Es geht doch nichts über einen Mietwagen, wenn man sich den ständigen Störungen an den Flughäfen entziehen will. So sehen es jedenfalls die Anleger und sorgten damit sowohl bei Avis als auch bei Hertz (+20%) für deutliche Kursgewinne.
Brown-Forman +19,25 %: In Gesprächen mit dem französischen Konkurrenten Pernod Ricard lotet der Spirituosenhersteller Möglichkeiten einer Fusion aus. Bei den Anlegern kam die Idee angesichts der schwierigen Marktlage und der rückläufigen Absatzzahlen gut an.
Flops / USA
Estée Lauder -21,75 %: Während Puig von den Übernahmeplänen des US-Konzerns profitiert, fürchtet der Markt mit Blick auf Estée Lauder, dass eine teure Transaktion die Amerikaner von ihrem eingeschlagenen Sparkurs abbringen könnte.
Micron Technology -15,53 %: Der Speicherchip-Sektor tat sich schwer, nachdem Google eine neue Technologie angekündigt hatte, mit der sich der Speicherplatzbedarf für KI-Modelle vor allem während der sogenannten Inferenz wohl reduzieren lässt. So verlor Sandisk 15%, während Western Digital Corporation aufgrund seiner geringeren Abhängigkeit von diesem Geschäftsfeld 6% nachgab.
Rohstoffe
Energie
US-Präsident Donald Trump hat seine Frist für einen Militärangriff auf iranische Energieanlagen um 10 Tage verlängert und ein neues Ultimatum bis zum 6. April gesetzt. Das hat den Anstieg der Rohölpreise allerdings kaum gebremst. Die Nordseesorte Brent notiert aktuell bei etwa 105 USD je Barrel, die US-Referenzsorte WTI liegt bei ca. 97 USD. Diese Preise enthalten einen hohen Risikoaufschlag, der angesichts der schwierigen diplomatischen Lage vorerst bestehen bleiben dürfte. Die USA haben für die Beendigung des Krieges einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, den Teheran mit eigenen Forderungen konterte (Sicherheitsgarantien und Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus). Die Gefahr einer militärischen Eskalation bleibt hoch. So schickt Washington aktuell Tausende zusätzliche Soldaten in den Nahen Osten. Darüber hinaus erwägt Donald Trump den Einsatz von Bodentruppen, um die für die iranischen Ölexporte wichtige Insel Kharg unter seine Kontrolle zu bringen. Seit Kriegsbeginn ist der Preis für die Sorte Brent um 50% gestiegen.
Metalle
Trotz der geopolitischen Spannungen befindet sich Gold auf Talfahrt. So ist der Preis für eine Feinunze Gold wieder unter die Marke von 4.500 USD gesunken. Der hohe Ölpreis schürt Ängste vor einer anhaltenden Inflation. Daher gehen die Märkte davon aus, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihre Leitzinsen vorerst nicht senken wird. Bei einem hohen Zinsniveau verliert Gold jedoch an Attraktivität, da das Edelmetall keine Rendite abwirft. Eine vergleichbare Entwicklung beobachten wir bei Kupfer: Das rote Metall gab seit Monatsanfang rund 7% nach. Die Anleger befürchten, dass hohe Energiepreise und hohe Zinsen das weltweite Wirtschaftswachstum ausbremsen könnten und die Nachfrage nach Industriemetallen sinkt. In London betrug der Preis für eine Tonne Kupfer 12.174 USD (Spotpreis).
Agrarrohstoffe
Getreide beendete die Woche insgesamt im Plus. Der Scheffel Weizen kletterte auf 607 Cent, die Preise für Mais und Soja stiegen auf 469 bzw. 1.176 Cent je Scheffel (Kontrakte mit Fälligkeit Mai 2026). Mais und Soja werden zur Herstellung von Biokraftstoff verwendet. Daher korreliert ihre Preisentwicklung mit dem Erdölmarkt.
Makroökonomie
Marktstimmung
Für einen Frieden braucht es mehr als Tweets. Die diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran scheint bis dato für einen Friedensschluss bei Weitem nicht ausreichend. Weiteres Blutvergießen ist daher zu befürchten, um die Parteien zum Verhandeln zu zwingen. Streitpunkte sind vor allem die Kontrolle der Straße von Hormus, aber auch das ballistische Raketenprogramm und das Atomwaffenprogramm des Iran. Diese Pattsituation sorgt für Unsicherheit und schürt die derzeitige Volatilität, wenngleich die schwachen Handelsvolumen am Aktienmarkt eine abwartende Haltung der Akteure belegen. Der Goldpreis pendelt sich langsam ein, nachdem er das Plus seit Jahresanfang vollständig eingebüßt hat. Die Renditen französischer und deutscher Staatsanleihen kletterten über die Höchstmarken von 2023, was den Handlungsspielraum für die Regierungen beider Länder verringert. Und das dürfte erst der Anfang sein.
Kryptowährungen
Der Bitcoin setzte seinen vergangene Woche eingeschlagenen Abwärtstrend fort und sank um weitere 2% auf rund 66.500 USD (Vorwoche: -7%). Abgesehen von dem beängstigenden geopolitischen Umfeld musste das US-amerikanische Kryptouniversum einen erneuten Rückschlag hinnehmen. Der US-Gesetzesentwurf zum CLARITY Act, der den regulatorischen Rahmen für digitale Vermögenswerte klarstellen soll, wurde überarbeitet. Der neue Entwurf untersagt direkte und auch indirekte Renditen auf passive Stablecoin-Guthaben. Mit anderen Worten: Die regulatorische Transparenz des Sektors dürfte sich erhöhen. Doch gleichzeitig würden Stablecoins ein erhebliches Maß ihrer Attraktivität gegenüber Bankeinlagen einbüßen. Folglich brach Circle, der große Emittent des Stablecoin USDC, diese Woche um 20% ein. Das Unternehmen erwirtschaftet einen wesentlichen Teil seiner Erträge aus Reserven, die den Stablecoin absichern. Diese sind überwiegend in US-Staatsanleihen investiert. Daher ist der Kern des Geschäftsmodells nicht unmittelbar betroffen. Andererseits hatte das Unternehmen zur Gewinnung von Neukunden stark darauf gesetzt, Renditen auf Stablecoin-Bestände anzubieten, ein mit einem verzinsten Girokonto vergleichbares Modell. Doch dieser Plan scheint heute in weite Ferne gerückt zu sein. Der Bitcoin zog andere wichtige Kryptowährungen mit nach unten: So sank der Ether (ETH) um 3,31% unter die 2.000-USD-Marke, der Solana (SOL) gab um 3,67% auf rund 83 USD nach, und der XRP fiel um 3,39% auf ein Niveau im Bereich von 1,33 USD
Ausblick
Die New Yorker Börse hat fünf Verlustwochen in Folge hinter sich – das hat es seit Mai 2022 nicht mehr gegeben. Die Anleger starren so gebannt auf die Ölpreise wie schon lange nicht mehr. Sollte das schwarze Gold sich nicht bald deutlich verbilligen, wird der Abwärtsdruck auf die Aktienmärkte wohl kaum nachlassen. Aber wann ist es so weit? Morgen? Nächste Woche? Oder in einem Monat? Wahrscheinlich wird sich die Lage schrittweise entspannen. Aber die Anleger scheuen kühne Wetten und wollen keine Worte sondern Fakten, um wieder Vertrauen zu schöpfen.
Nächste Woche werden die vorläufigen europäischen Inflationszahlen für März die Debatte über den Zinskurs der EZB beleben. Außerdem stehen wie an jedem ersten Freitag des Monats die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten an.
Und nicht vergessen: In Europa werden die Uhren dieses Wochenende wieder auf Sommerzeit umgestellt. Die Zeitverschiebung zur US-Ostküstenzeit verringert sich damit wieder auf die üblichen 6 Stunden.