Global Markets Sunday News
Nach schwierigem März starker Start in den April
Diese Woche zeigten sich die Finanzmärkte wieder deutlich risikobereiter. Ausschlaggebend waren die Hoffnung auf ein Ende des Nahostkonflikts und die angekündigte zweiwöchige Waffenruhe, die weiteren Spielraum für Verhandlungen schaffen soll. Auch der Rückgang der Ölpreise trug zur Beruhigung der Anleger bei. Bereits an diesem Wochenende könnte sich dank der geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran eine Deeskalation abzeichnen. Nächste Woche beginnt aber auch die Quartalsberichtssaison, die für anhaltend hohe Volatilität sorgen dürfte.
Tops & Flops der Woche
Tops / Europa
STMicroelectronics +16,54 %: Der französisch-italienische Chiphersteller legte im Gleichlauf mit ASML, Infineon, BE Semi und Soitec kräftig zu. Das Unternehmen profitierte vom Waffenstillstand im Iran, von dem wieder gefragten Anlagethema KI und den Ergebnissen von Samsung, das seinen Gewinn bei Speicherchips verachtfachen konnte.
UMG +13,56 %: Bill Ackman legt 55,75 Mrd. USD auf den Tisch, um das Major-Musiklabel zu übernehmen. Das von seiner Investmentgesellschaft Pershing Square vorgelegte Angebot von 30,40 EUR je Aktie beinhaltet einen Aufschlag von 78% und zwingt die Hauptaktionäre Bolloré und Vivendi, zur Zukunft des Konzerns Stellung zu beziehen.
Société Générale +11,15 %: Die von Trump verkündete Waffenruhe und die mögliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus lassen den geopolitischen Risikoaufschlag, der SocGen ebenso wie BNP Paribas, UniCredit, Barclays und Commerzbank enormen Auftrieb verliehen hatte, schmelzen.
Rexel +10,67 %: Die Analysten von Jefferies stuften den Titel von Halten auf Kaufen hoch und hoben das Kursziel von 32 auf 43 EUR an. Dank des die Margen ankurbelnden Preisauftriebs, des Booms bei Rechenzentren und der Elektrifizierung nach der Energiekrise rechnen sie mit einer Beschleunigung des Wachstums.
Aperam +16,72 %: Die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran lässt die Rezessionsängste schwinden und das Anlegerinteresse an zyklischen Werten wieder aufleben. Dies sorgte bei Aperam und anderen Stahlherstellern wie Salzgitter und ArcelorMittal für Kursgewinne.
Flops / Europa
Sodexo -12,42 %: Nach einer Prüfung seiner Verträge und Vermögenswerte senkte der weltweit führende Catering-Konzern seine Ziele für das interne Umsatzwachstum. Das bereinigte Nettoergebnis des 1. Halbjahrs war infolge einer gesunkenen operativen Marge rückläufig.
Maurel & Prom -10,85 %: Das französische Öl- und Gasunternehmen steht exemplarisch für den allgemein rückläufigen Trend in der Ölbranche: Auch Repsol, Equinor, Neste, Shell und BP mussten einen Kursrutsch hinnehmen, zumal die Vermittlung durch Pakistan zur Entspannung der Lage im Nahen Osten beiträgt. Dieser diplomatische Coup macht die Gewinne der vergangenen Wochen wieder zunichte.
OVH -5,36 %: Die Ergebnisse des französischen Unternehmens zeichneten ein gemischtes Bild: Der Nettogewinn gab in der ersten Jahreshälfte nach, und auch das organische Wachstum sorgte für Enttäuschung. Ursächlich war die schwache Entwicklung in den Segmenten „Private Cloud“ und „Web Cloud“, welche die Dynamik im Bereich „Public Cloud“ überschattete.
Alstom -4,61 %: Der Bahntechnikhersteller erlitt einen Kurseinbruch, nachdem er sich auf einem Pressetermin zur bevorstehenden Veröffentlichung der Quartalszahlen eher zurückhaltend gezeigt hatte. Damit ist das dank mehrerer akquirierter Großaufträge jüngst verzeichnete Kursplus schon wieder Geschichte.
Tops / USA
Avis +57,51 %: Angesichts der chaotischen Lage an den Flughäfen setzten das Mietwagenunternehmen und sein Mitbewerber Hertz (+10%) nun die dritte Woche in Folge ihren Aufwärtstrend fort. Avis erreichte das Rekordniveau von April 2022.
Nebius +33,22 %: Das von dem weltweit wertvollsten Konzern unterstützte niederländische Technologieunternehmen stellt Infrastruktur für künstliche Intelligenz bereit und verhandelt derzeit über die Übernahme des israelischen Startups AI21 Labs, das ebenfalls auf KI fokussiert ist.
Flops/ USA
Texas Pacific -7,71 %: Der plötzliche Tod eines Vorstandsmitglieds hat auch aus Anlegersicht ein Vakuum hinterlassen. Murray Stahl war CEO der Horizon Kinetics Holding Corporation, dem größten Aktionär des Unternehmens.
Okta -21,52 %: Während sich die Lage im Nahen Osten allmählich zu beruhigen scheint, rückt das vor dem Konflikt bei den Anlegern beliebteste Thema, die KI, wieder in den Vordergrund. Mit der Einführung des neuen Modells von Anthropic scheinen Softwareentwickler durch die Demokratisierung des Zugangs zum Programmieren mehr denn je bedroht zu sein.
Rohstoffe
Energie
Die Rohölpreise beendeten die Woche mit einem deutlichen Rückgang um rund 11%. Ein Barrel der Nordseesorte Brent wurde zuletzt mit rund 95,50 USD gehandelt (Kontrakt mit Fälligkeit Juni 2026), das US-Pendant WTI mit ca. 97,60 USD (Kontrakt mit Fälligkeit Mai 2026). Dieser im Wochenverlauf verzeichnete rückläufige Trend ist auf die Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran zurückzuführen, der am Markt zumindest vorübergehend für größere Ruhe gesorgt hat. Am Freitag gingen die Preise jedoch wieder nach oben. Die Marktteilnehmer zeigten sich besorgt über neue Gefahren für das Angebot im Nahen Osten und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus. Das Waffenstillstandsabkommen zwischen Washington und Teheran ist nach wie vor fragil, und die militärischen Auseinandersetzungen in der Region dauern an. Derzeit macht der Schiffsverkehr durch die Meerenge nur einen Bruchteil des üblichen Volumens aus. Der Iran fordert Mautgebühren für Handelsschiffe, die dieses Gebiet durchqueren. Die US-Regierung lehnt dieses Ansinnen vehement ab. Daher erwarten die Anleger mit Spannung die Ergebnisse der für dieses Wochenende anberaumten diplomatischen Gespräche. Erst dann können sie besser einschätzen, ob es tatsächlich zu einer tragfähigen Einigung kommt.
Metalle
Gold ist in der Gunst der Anleger wieder gestiegen und verteuerte sich die zweite Woche in Folge bis auf 4.800 USD je Feinunze. Diese anfänglichen Kursgewinne lassen sich durch die Bekanntgabe eines temporären, zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran erklären, da dadurch der Ölpreis in Schach gehalten wird, was wiederum zu einer Abschwächung der Inflationssorgen führt. Dennoch bleibt die Preisentwicklung sehr instabil. Meldungen über eine Verletzung der Waffenruhe und fortgesetzte Kampfhandlungen begrenzen indes die Kurszuwächse. Das Industriemetall Kupfer kletterte in London auf 12.700 USD je Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Monaten.
Agrarrohstoffe
Der Weizenpreis musste den stärksten wöchentlichen Rückgang seit Ende Juli hinnehmen. Der Einbruch resultierte unmittelbar aus dem monatlichen Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums. Dieses hatte bekannt gegeben, dass die weltweiten Weizenvorräte deutlich höher ausfallen als angenommen. Der Preis für Weizen sank daraufhin auf 571 Cent je Scheffel (Kontrakt mit Fälligkeit Mai 2026). Der Maispreis folgte diesem Negativtrend und verringerte sich auf 443 Cent. Soja konnte standhalten und verteuerte sich sogar geringfügig auf 1.166 Cent je Scheffel.
Makroökonomie
Marktstimmung
Der – wenn auch prekäre – Waffenstillstand zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten war Balsam für die Seele der Anleger. Daraufhin ging es für Risikoanlagen ebenso wie für die Aktienmärkte wieder steil bergauf, während der US-Dollar erwartungsgemäß an Terrain verlor. Staatsanleihen und Rohölpreise schienen dagegen zögerlicher zu reagieren: Nach einem deutlichen Rückgang unmittelbar nach der Ankündigung der Waffenruhe haben sich diese Marktsegmente wieder stabilisiert. Erwartet werden nun konkrete Maßnahmen, beginnend mit der Wiedereröffnung der Straße von Hormus. So hält sich die Rendite 10-jähriger deutscher Staatspapiere über ihrer Widerstandslinie bei 2,90% – getragen nicht nur von Inflationsängsten im Zusammenhang mit den Energiekosten, sondern auch von einem erhöhten Finanzierungsbedarf für Investitionen. Bis sich der Aufschwung verfestigt, sollten Sie bei Ihren Anlageentscheidungen also weiterhin gewisse Vorsicht walten lassen.
Kryptowährungen
Im Gefolge der Aktienindizes machte der Bitcoin (BTC) diese Woche 4,55% gut und liegt nun nahe der Marke von 72.000 USD. Ein Trend, der sich auch bei den Bitcoin-Spot-ETFs zeigte, die seit Montag Nettozuflüsse von 455 Mio. USD verbuchten. Die anderen wichtigen Kryptowährungen begaben sich ebenfalls in die Fußstapfen des Marktführers: Der Ether (ETH) gewann 5% hinzu und überschritt erneut die Schwelle von 2.200 USD, der Solana (SOL) verteuerte sich um 2% auf rund 83 USD und der XRP stieg um 1,3% auf 1,34 USD. Diese Woche wurde die Einbettung des Kryptouniversums in den geopolitischen Kontext besonders deutlich, denn es zeigte sich ein direkter Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen rund um die Straße von Hormus. So soll der Iran laut der Financial Times angekündigt haben, dass zukünftig jeder Tanker, der diesen Seeweg nutzt, seine Ladung per E-Mail anzumelden hat, um eine Abgabe in Höhe von 1 USD pro Barrel zu entrichten, und zwar zahlbar in Bitcoin, in einigen anderen Kryptowährungen oder in chinesischen Yuan. Ziel sei dabei vor allem, den US-Dollar und die damit verbundenen möglichen Sanktionen zu umgehen. Dennoch ist diese Information zum jetzigen Zeitpunkt mit Vorsicht zu genießen und bedarf noch einer Bestätigung.
Ausblick
Haben die Märkte Ende März schon ihr Jahrestief erreicht? Ja, meinen zumindest optimistische Anleger. Nachdem der MSCI World Index im März 6,5% abgeben musste (die schlechteste Performance seit drei Jahren), ging es für ihn im ersten Drittel des Monats April bereits wieder um 5% nach oben. Der Aufschwung speist sich aus der Hoffnung auf eine kurzfristige Lösung der Krise im Nahen Osten. Diese würde auch die bestehenden Inflations- und Rezessionsängste zerstreuen. Derweil gewinnt das große Thema KI wieder an Dynamik – im Guten wie im Schlechten. Am günstigsten sieht es aktuell für Hardware-Anbieter und die großen Plattformen aus, am ungünstigsten für das Software-Ökosystem als großer Verlierer der KI-basierten Automatisierung des Programmierens.
Nächste Woche beginnt dann wieder die Berichtssaison: Erste Börsenschwergewichte legen ihre Zahlen des 1. Quartals vor. In Europa eröffnen LVMH, ASML und Ericsson den Reigen, gefolgt von den Großbanken der Wall Street (Goldman Sachs, JPMorgan…) und weiteren US-Börsenstars wie J&J, Netflix, PepsiCo und Abbott.
Auf makroökonomischer Ebene richtet sich das Augenmerk vor allem auf China, während in anderen Ländern nur wenige Konjunkturindikatoren zu erwarten sind. Nach der im März angespannten Lage bei den Energiepreisen kommt den Erzeugerpreisen in den USA jedoch eine richtungweisende Bedeutung zu.