Global Markets Sunday News
Das Blatt hat sich gewendet
Die Wall Street erlebte diese Woche eine spektakuläre Hausse, die von Technologiewerten und den sinkenden Ölpreisen getragen wurde. Dass der Iran am Freitag ankündigte, die Blockade der Straße von Hormus zu beenden, hat die positive Stimmung verstärkt und neue Hoffnung auf eine baldige Lösung des Nahostkonflikts geweckt. Auch in Europa bewegt sich viel, und das Augenmerk der Marktteilnehmer dürfte sich nun wieder vermehrt auf die gerade begonnene Quartalsberichtssaison richten.
Tops & Flops der Woche
Tops / Europa
Sivers Semi +76,57 %: Nachdem das Technologieunternehmen eine Zweitnotierung an der Nasdaq in New York angekündigt hatte, sprang die Aktie nach oben. Der Hauptsitz des Konzerns verbleibt aber weiterhin in Schweden. Gleichzeitig will das Unternehmen Mittel in Höhe von 125 Mio. SEK akquirieren, um seine Technologieprojekte weiter voranzutreiben.
ITM Power +84,3 %: Der britische Hersteller von Elektrolyseuren legte kräftig zu, nachdem er einen strategischen Auftrag vom deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall erhalten hatte. Im Rahmen des Projekts soll ein Netz von Produktionsstandorten für synthetische Kraftstoffe für die NATO aufgebaut werden.
Soitec +53,47 %: Dank seiner vielversprechenden KI-Technologien, insbesondere der Siliziumphotonik und optischer Architekturen, erfreut sich der französische Hersteller von Halbleitermaterialien wieder wachsender Beliebtheit. Die Anleger rechnen für diese neuen Marktsegmente mit einem höheren Margenpotenzial.
Flops / Europa
Alstom -28,12 %: Nachdem der französische Bahntechnikhersteller seine Finanzprognosen nach unten korrigiert und das Cashflow-Ziel zurückgezogen hatte, brach der Kurs des Titels ein. Obwohl die Auftragsbücher weiter gut gefüllt sind, sorgte die Abkehr von der Zielvorgabe für diese wichtige Kennzahl am Markt für Unruhe.
Barry Callebaut -18,36 %: Aufgrund von Lieferengpässen bei Schokolade streicht der Chocolatier und Zulieferer für Eis der Marke Magnum seine Ergebnisprognose zusammen. Das EBIT wird demnach um ca. 15% sinken.
Kering -8,27 %: Die Zahlen des Luxusgüterkonzerns enttäuschten. Unter anderem war der Umsatz im 1. Quartal rückläufig. Die schwache Performance der Vorzeigemarke Gucci gefährdet in Verbindung mit dem Krieg im Iran die von Kering für das laufende Geschäftsjahr ausgegebenen Ziele.
Robertet -7,51 %: Trotz solider Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 gab die Aktie nach. Der vom französischen Duftstoff- und Aromenhersteller vorgelegte Ausblick für 2026 fällt konservativ aus. Die Analysten von Oddo BHF verweisen auf die Risiken, die sich aus den Spannungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt ergeben und die Prognosesicherheit beeinträchtigen.
Tops / USA
Revolution Medicines +54,13 %: Durchschlagender Erfolg für das auf Onkologiepräparate fokussierte Pharmaunternehmen: Die vorläufigen Ergebnisse einer klinischen Phase-III-Studie für das Medikament Daraxonrasib stimmen zuversichtlich. Die Gabe des Präparats führte zu einer medianen Gesamtüberlebensdauer von 13,2 Monaten gegenüber nur 6,7 Monaten unter Chemotherapie.
Oracle +26,77 %: Die Anleger haben offenbar beschlossen, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um in einen insgesamt unterbewerteten Sektor zu investieren. Auch Fair Isaac (+16%) und SAP (+13%) profitierten von dem Aufwärtstrend.
Coreweave +14,56 %: Der Wettlauf um die technische Überlegenheit im Bereich der künstlichen Intelligenz nimmt wieder Fahrt auf. Für den Sektor ging es nicht zuletzt dank angekündigter massiver Investitionen bergauf. So beteiligt sich Nvidia mit 5 Mrd. USD an Intel, und Microsoft sichert sich mit 17,4 Mrd. USD über fünf Jahre KI-Rechenkapazitäten bei der niederländischen Nebius Group. Broadcom kam diese Dynamik ebenfalls zugute – diese Woche kletterte der Titel um 7%.
Flops/ USA
Carmax -12,5 %: Die veröffentlichten Geschäftsergebnisse sorgten unter den Anlegern für Unruhe. Zwar entsprachen die Zahlen weitgehend den Prognosen, doch musste das Unternehmen auch eine Wertberichtigung vornehmen. Hinzu kommt die zuletzt etwas schwächere Margenentwicklung im Gebrauchtwagengeschäft.
Fastenal -6,89 %: Die Zollpolitik des US-Präsidenten hat die Ergebnisse der Unternehmen belastet. Da bildet auch Fastenal keine Ausnahme. Nach Angaben des Konzerns sind die Kosten so schnell gestiegen, dass die Preise nicht im Gleichschritt nach oben geschraubt werden konnten. Folglich gerieten die Margen unter Druck und blieben hinter den anvisierten Zielvorgaben zurück.
Rohstoffe
Energie
Der Iran hat die Straße von Hormus für die restliche Dauer der Waffenruhe im Libanon wieder vollständig für die Handelsschifffahrt freigegeben. Donald Trump begrüßte die Ankündigung, stellte jedoch klar, dass die Vereinigten Staaten die Seeblockade gegen den Iran weiterhin aufrechterhalten würden. Die US-Regierung will an dieser restriktiven Maßnahme bis zur endgültigen Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens mit Teheran festhalten. Dennoch sorgte die Wiedereröffnung der Meerenge an den weltweiten Energiemärkten für sofortige Entspannung. So sank der Preis der US-Rohölsorte WTI um fast 12% auf rund 82 USD je Barrel (Kontrakt mit Fälligkeit Mai 2026). Auch die Nordseesorte Brent gab um über 10% nach und wurde zuletzt mit ca. 88 USD je Barrel gehandelt (Kontrakt mit Fälligkeit Juni 2026). Damit erreichte der US-Ölpreis erneut seinen tiefsten Stand seit Anfang März und entfernte sich weiter von seinem vor zwei Wochen verzeichneten Hoch von 115 USD.
Metalle
Der Kupferpreis in London ist auf 13.270 USD gestiegen. Die Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Energiepreise nach einer Beilegung des Konflikts im Nahen Osten wieder fallen werden und die Nachfrage Auftrieb erhält. Dahinter steckt eine einfache Logik: Wenn sich die Lage dauerhaft beruhigt, wird eine eventuelle Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed und eine wieder zunehmende Risikofreude dem roten Metall zugutekommen. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Edelmetallsegment. So kostet Gold nun über 4.800 USD. Durch die fallenden Ölpreise haben sich auch die Inflationssorgen entschärft, was sich wiederum positiv auf das edle Metall auswirkt. Denn bei höheren Zinsen verliert Gold an Attraktivität, weil es keine laufenden Erträge abwirft.
Agrarrohstoffe
Trotz billigeren Öls sind die Getreidepreise in Chicago auf Aufwärtskurs. Der Preis für einen Scheffel Weizen liegt bei rund 604 US-Cent, Mais kostet 456 US-Cent und Soja behauptet sich bei 1.175 US-Cent.
Makroökonomie
Marktstimmung
Zwar hat sich an den Aktienmärkten mit Blick auf den Konflikt im Iran das Blatt deutlich gewendet, doch verharren die Anleiherenditen weiter auf hohem Niveau. Und dies trotz der Ankündigung des Iran, die Straße von Hormus wieder freizugeben, was die Lage weiter entspannt hat. Angesichts der Maßnahmen zur Abfederung der steigenden Energiepreise sowie der Aufstockung der Verteidigungshaushalte rechnen die Anleihemärkte in den kommenden Jahren aber mit höheren Haushaltsdefiziten. Auch wenn der Rückgang der Ölpreise das Inflationsrisiko mindert, werden sich dennoch erhebliche Auswirkungen zeigen, die es den Notenbanken erschweren dürften, die Leitzinsen weiter zu senken.
Kryptowährungen
Im Kielwasser der Aktienindizes gewann der Bitcoin (BTC) diese Woche 7% hinzu und nähert sich nun erneut der Schwelle von 76.000 USD. Der S&P 500 ist zwar auf ein Allzeithoch gestiegen, doch der BTC ist noch weit davon entfernt, denn er liegt derzeit noch immer rund 40% unter seinem im Oktober 2025 verzeichneten Höchststand von 126.000 USD. Auch die Bitcoin-Spot-ETFs folgten auf dem Fuße: Diese Woche verbuchten die börsengehandelten US-Produkte Zuflüsse in Höhe von 332 Mio. USD, wodurch sich das verwaltete Gesamtvermögen auf 97 Mrd. USD erhöhte – ein Niveau, das ebenfalls noch deutlich unter den im vergangenen Oktober erreichten 169 Mrd. USD liegt. Die anderen wichtigen Kryptowährungen profitierten in der abgelaufenen Woche von der positiven Dynamik: Der Ether (ETH) machte 7,5% gut und überschritt die Schwelle von 2.350 USD, der Solana (SOL) verteuerte sich um 8,5% auf rund 88 USD und der XRP stieg um 9,5% auf knapp 1,45 USD.
Ausblick
Die spektakulären Gewinne an den US-Märkten im April wecken Erinnerungen an die Kulisse, die im Frühjahr 2025 nach der Ankündigung der „reziproken Zölle“ herrschte: Zunächst machte sich Angst breit, dann folgte die große Aufholjagd. In Europa gaben sich die Marktteilnehmer zunächst etwas zurückhaltender, bis am Freitagnachmittag bekannt wurde, dass der Iran die Blockade der Straße von Hormus für die restliche Dauer des Waffenstillstands aufhebt.
Abgesehen von der geopolitischen Achterbahnfahrt tritt in den nächsten Tagen wieder ein anderes Thema in den Vordergrund. Schließlich steht die erste vollständige Woche der Berichtssaison für das 1. Quartal bevor. So erstatten in Europa neben Roche, Nestlé und SAP auch Thales, L’Oréal, ABB und EssilorLuxottica Bericht. In den USA legen Tesla, IBM, GE Aerospace, Boeing und Philip Morris ihre Zahlen vor.
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht geht es in den USA eher ruhig zu. Hier werden lediglich am Dienstag die Einzelhandelsumsätze für März veröffentlicht. Des Weiteren stehen die Flash-Einkaufsmanagerindizes der großen Wirtschaftsmächte für April auf dem Programm (Donnerstag) sowie die Inflationszahlen für Großbritannien (Mittwoch) und Japan (Freitag).