Global Markets Sunday News
Inflationssorgen im Vorfeld der Zahlen von Nvidia
Trotz des ungebrochenen KI-Booms, der an der Wall Street in dieser Woche für neue Rekorde sorgte, hat sich die Stimmung am Freitag aufgrund neuerlicher Inflationssorgen deutlich eingetrübt. Über den Erwartungen liegende US-Wirtschaftsdaten setzten die Anleihemärkte erneut unter Druck. Der Renditeanstieg spiegelt die Befürchtungen der Anleger wider, dass die Zentralbanken demnächst einen schärferen Ton anschlagen und vielleicht sogar die Zinsschraube wieder anziehen könnten. Die Gewinnmitnahmen haben nun auch die Börsen in Europa und Asien erfasst, während die amerikanischen Aktienmärkte die Woche über relativ stabil blieben.
Tops & Flops der Woche
Tops
Tate & Lyle +44,55 %: Der britische Hersteller von Lebensmittelzutaten und Spezialnahrung legte aufgrund eines Barübernahmeangebots des US-Unternehmens Ingredion deutlich zu. Das Angebot entspricht einer Bewertung der Aktie mit 615 Pence (und damit einem Aufschlag von 64% auf den letzten Kurs) im Kontext einer bereits seit einem Jahr andauernden Schwächephase.
OHB +52,57 %: Der deutsche Satellitenhersteller profitiert von einer Kombination von Faktoren mit Katalysatorwirkung. Zum einen hat das Unternehmen in der vergangenen Woche über den Erwartungen liegende Ergebnisse für das 1. Quartal 2026 vorgelegt, die Spiegelbild prall gefüllter Auftragsbücher sind. Mit 3,35 Mrd. EUR (+45%) wurde ein neuer Auftragsrekord verzeichnet. Zum anderen hat OHB eine strategische Allianz mit Dassault Aviation bekannt gegeben. Ziel ist es, ein gemeinsames Angebot für das Mehrzweck-Raumfahrzeug VORTEX-S bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) einzureichen. Damit festigt OHB seine Position als zentraler Akteur im Konsolidierungsprozess in der europäische Raumfahrtindustrie.
Delivery Hero +47,57 %: Der Kurs setzte zum Höhenflug an, nachdem Prosus den Verkauf eines Teils seiner Delivery Hero-Beteiligung an Aspex Management bekannt gegeben hatte, für einen Kaufpreis von rund 335 Mio. EUR. Parallel dazu profitierte die Aktie von wieder stärkerem Analysteninteresse, mit positiven Empfehlungen von JP Morgan, Jefferies und Barclays.
Technoprobe +30,4 %: Der italienische Konzern hat solide Quartalszahlen vorgelegt. Der Konzernumsatz konnte gegenüber dem Vorjahr um 19% gesteigert werden, beim Konzern-EBITDA war ein Plus von respektablen 44% zu verzeichnen. Angesichts dieser dynamischen Geschäftsentwicklung hat das Unternehmen seine Ziele für das laufende Jahr nach oben korrigiert und geht inzwischen davon aus, die für 2027 anvisierten Marken bereits in diesem Jahr erreichen zu können.
Vallourec +12,8 %: Der französische Hersteller nahtloser Rohre hat für das Quartal ein Bruttobetriebsergebnis am oberen Rand seiner Prognosespanne vorgelegt und beim Cashflow die Erwartungen übertroffen. Zudem bestätigte das Unternehmen, dass man bis August 650 Mio. EUR an die Aktionäre ausschütten wolle. Damit haben sich die Befürchtungen in Zusammenhang mit den Spannungen im Nahen Osten in Luft aufgelöst.
Intertek +14,36 %: Der britische Spezialist für die Prüfung, Inspektion und Zertifizierung von Produkten verzeichnete Kursgewinne, nachdem die Geschäftsleitung ihre Bereitschaft signalisiert hatte, eine Empfehlung für das finale EQT-Angebot von 60,00 GBP pro Aktie auszusprechen. Damit hat der schwedische Fonds sein Angebot zum vierten Mal nachgebessert und bewertet Intertek nun mit 9,4 Mrd. GBP.
British American Tobacco +13,99 %: Der britische Tabakkonzern profitiert von einer wichtigen regulatorischen Änderung in den USA: Die FDA hat signalisiert, dann man nicht mehr prioritär die Durchsetzung von Maßnahmen gegen E-Zigaretten und Nikotinbeutel im PMTA-Prüfverfahren verfolge. Damit hat sich das Risiko bei den Marken Vuse und Velo deutlich reduziert. Morgan Stanley hob seine Empfehlung auf Übergewichten an, während Citi das Kursziel auf 5.200 GBX erhöhte.
Umicore +10,36 %: Das belgische Unternehmen für fortschrittliche Materialien und Recycling hatte mit seinen vor zehn Tagen veröffentlichten Ergebnissen für Aufsehen gesorgt. Diese Woche profitierte die Umicore-Aktien davon, dass Goldman Sachs eine Kaufempfehlung ausgesprochen und das Kursziel auf 33 EUR nach oben korrigiert hat. Dies allein bescherte der Aktie am Mittwoch ein Kursplus von 15%.
Sodexo +11,26 %: Für den französischen Caterer gab es zwei Positivsignale. Erstens veröffentlichte der britische Rivale Compass Group solide Halbjahresergebnisse und korrigierte seine Jahresprognose nach oben, was die Prognosen für den Sektor sicherer macht. Zweitens beruhigte die Verlängerung eines langfristigen Vertrags mit Rio Tinto in Australien die Marktteilnehmer.
Flops
Adecco -18,86 %: Die führende Zeitarbeitsfirma wurde nach Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das 1. Quartal 2026 hart abgestraft, da sowohl die Bruttomarge als auch der Cashflow die Analystenerwartungen verfehlten. Verstärkt wurde die Skepsis noch durch den Ausblick für das 2. Quartal, der auf eine etwas schwächere Bruttomarge und steigende Kosten hindeutet.
3i Group -14,67 %: Der britische Private Equity-Fonds sackte nach Veröffentlichung seiner Jahresergebnisse ab. Vor allem Action, mit einem Anteil von 65,4% das Herzstück des Portfolios von insgesamt 31,8 Mrd. GBP, sorgte mit nachlassendem Wachstum und Margenrückgang für Nervosität.
Burberry -12,27 %: Die Aktie des britischen Modehauses musste nach Veröffentlichung der Jahreszahlen Federn lassen. Eine leichte Ergebnisverbesserung dank des Umstrukturierungsplans von Joshua Schulman konnte nicht über einen Umsatzrückgang von 2% hinwegtäuschen. Die ganze Branche steht derzeit bei Anlegern nicht eben hoch im Kurs. AlphaValue sieht vor dem Hintergrund der hochgradig unsicheren geopolitischen Rahmenbedingungen und der anhaltenden Nachfrageschwäche im Tourismusbereich weiterhin nur begrenzte Prognosesicherheit. Auch Salvatore Ferragamo verzeichnete nach seinen wenig erfreulichen Zahlen einen starken Kursrückgang.
Bilfinger -14,15 %: Der Kurs des deutschen Industriedienstleisters gab nach Veröffentlichung der Zahlen für das 1. Quartal 2026 nach. Diese hatten in zwei wichtigen Punkten für Enttäuschung gesorgt, zum einen mit einem schwächeren Auftragseingang und zum anderen mit einem stark rückläufigen Cashflow. Die Geschäftsleitung hält an ihren Jahreszielen fest und setzt auf eine Erholung der Nachfrage im 2. Halbjahr
Tops / USA
Tower Semiconductor +29,84 %: Halbleiterwerte scheinen für Anleger nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt zu haben, vor allem, wenn ihre aktuellen Ergebnisse stimmen. Das US-Unternehmen konnte zudem mit Neuaufträgen im Gesamtwert von 1,3 Mio. EUR punkten.
Ford +8,77 %: Der US-amerikanische Autobauer profitierte vom offiziellen Start bei Ford Energy, einer auf Batteriespeichersysteme für Rechenzentren und große Industriekunden spezialisierten Tochtergesellschaft, sowie von einer Analyse von Morgan Stanley, in der dieser neue Geschäftsbereich auf der Grundlage eines anvisierten Betriebsergebnisses von rund 588 Mio. USD bei voller Auslastung (20 GWh pro Jahr) mit bis zu 10 Mrd. USD bewertet wird.
Flops/ USA
Intel -12,93 %: In Südkorea steht eine Steuer auf die Gewinne von KI-Unternehmen im Raum. Dies war Auslöser für einen Kursrutsch in dem Sektor. Nach den koreanischen Schwergewichten stehen nun Intel und SanDisk unter Druck. SanDisk hat zudem unter dem Verkauf von Aktien im Wert von 3,5 Mio. USD durch einen Insider zu leiden.
Oklo -14,15 %: Wenn der Nettoverlust eines Unternehmens wächst, verheißt das nur selten etwas Gutes. Oko schreibt weiterhin rote Zahlen und bezifferte sein Minus mit 33,1 Mio. USD. Die Analysten hatten dagegen einen Nettoverlust in Höhe von 32,1 Mio. USD prognostiziert.
Rohstoffe
Energie
Die Ölpreise beendeten die Woche insgesamt mit einem deutlichen Plus. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um knapp 4% auf ca. 108 USD pro Barrel. Auch die US-Leichtölsorte WTI legte zu und stieg über die Marke von 100 USD. Der Markt reagiert auf die durch die Blockade der Straße von Hormus verursachten anhaltenden Störungen und das weiterhin knappe weltweite Angebot. Das Treffen von Donald Trump und Xi Jinping in Peking brachte keine Fortschritte im Konflikt mit dem Iran. Die beiden Regierungschefs sind sich jedoch einig darüber, dass Teheran nicht in den Besitz von Atomwaffen gelangen darf und die Straße von Hormus wieder geöffnet werden muss. Die Märkte hoffen, dass China seinen Einfluss auf Iran geltend machen wird, um Frieden zu schließen. Der Gipfel endete jedoch ohne einen konkreten Vorstoß in diese Richtung. Die geopolitischen Risiken in der Region sind unverändert hoch. Vor allem das knappe Angebot treibt die Preise nach oben. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass die weltweite Ölförderung im April um 1,8 Mio. Barrel pro Tag gesunken ist. Der aktuelle Bericht der OPEC bestätigt diese Entwicklung. Das Ölkartell verzeichnete im April einen Rückgang der Fördermenge um 1,73 Barrel pro Tag. Grund sind die Exportschwierigkeiten im Persischen Golf, wobei in der Zahl noch die Fördermenge der Vereinigten Arabischen Emirate enthalten ist, die am 1. Mai offiziell aus der OPEC ausgetreten sind. Für die Nachfrage 2026 präsentieren die beiden Institutionen unterschiedliche Szenarien. Die IEA hat ihre Prognosen gesenkt und erwartet von nun an einen Rückgang der weltweiten Nachfrage um 420.000 Barrel pro Tag, vor allem durch die Sektoren Luftfahrt und Petrochemie. Die OPEC blickt dagegen weiterhin optimistisch in die Zukunft und rechnet mit einem Anstieg der Nachfrage um 1,17 Barrel pro Tag.
Metalle
In London sprang Kupfer diese Woche über die Marke von 14.000 USD pro Tonne, gab anschließend aber wieder auf ca. 13.938 USD nach. Genau wie beim Öl ist dieser Preisanstieg der Angebotsseite geschuldet. Peru, der weltweit drittgrößte Kupferproduzent, kämpft mit Förderproblemen, sodass angesichts der weltweit geringen Kupferbestände ein Engpass droht. Die Nachfrage ist unterdessen ungebrochen. So erfordern die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz den Bau zahlreicher Rechenzentren. Dafür werden große Mengen an Kupfer benötigt. Im Segment Edelmetalle sank der Preis für die Feinunze Gold auf 4.550 USD. In der US-Wirtschaft hält sich die Inflation hartnäckig. Die Erzeuger- und Verbraucherpreise sind in den USA im April kräftig gestiegen. Diese Entwicklung macht Hoffnungen auf eine Zinssenkung in diesem Jahr zunichte. Die hohen Zinsen dämpfen den Goldpreis, denn Anleger investieren ihr Geld lieber in Vermögenswerte, die eine Rendite abwerfen, statt in Gold.
Agrarrohstoffe
Weizen verzeichnete das größte Wochenplus. Der Kontrakt mit Fälligkeit im Juli 2026 legte gegenüber der Vorwoche um 6% auf 650 Cent pro Scheffel zu. Dieser Anstieg ist direkt auf die jüngsten Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zurückzuführen, das mit einer mittelmäßigen Weizenproduktion rechnet. Soja reagierte auf die Handelsgespräche zwischen den USA und China. Zum Wochenschluss stand ein leichtes Minus zu Buche (1.188 Cent). Donald Trump zufolge zeigt China ein starkes Interesse an Sojabohnen aus den USA. In Anbetracht der Preisentwicklung steht der Markt diesen Erwartungen jedoch verhalten gegenüber.
Makroökonomie
Marktstimmung
Eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed wird von Tag zu Tag wahrscheinlicher. Dem CME-Tool FedWatch zufolge besteht derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 50%, dass die Federal Reserve bis Jahresende zumindest eine Zinserhöhung vornimmt. Die Inflationsdaten dieser Woche haben mit einem über den Erwartungen liegenden Verbraucher- und Erzeugerpreisindex den Druck auf die Fed erhöht. Die Rendite 10-jähriger US-Anleihen kletterte in dieser Woche über die Marke von 4,5%. Die Rendite 2-jähriger Anleihen, die als Barometer für die Zinserwartungen in den USA gilt, hat den höchsten Stand seit Juni letzten Jahres erreicht. Damals war der Leitzins der US-Notenbank ganze 75 Basispunkte höher. Last but not least endete am Freitag die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell. Sein Nachfolger, Kevin Warsh, wurde in dieser Woche vom Senat bestätigt.
Kryptowährungen
Der Bitcoin verzeichnete diese Woche ein Minus von 2,2% und näherte sich erneut der Marke von 80.000 USD an. Insgesamt ist der BTC seit Ende März um 17% gestiegen und folgte damit den Börsenindizes in ihrem Aufwärtstrend. Dabei blieb der Bitcoin jedoch deutlich hinter dem Nasdaq 100 zurück, der im gleichen Zeitraum mit einem Plus von 28% deutlich stärker zulegen konnte. Anleger in die führende Kryptowährung waren jedoch mittlerweile an stärkere Auf- und Abwärtsbewegungen als bei den Börsenindizes gewöhnt. Tatsächlich hat der Hype um KI-Halbleiter dem Kryptosektor weitgehend den Rang abgelaufen. Im Klartext: Während vor der KI-Ära manche ihr Portfolio mit einer Bitcoin-Komponente diversifizierten, geht der Trend mittlerweile eher dazu, ganz auf alles zu setzen, was irgendwie mit dem Zauberwort „Halbleiter“ zu tun hat. Ein bisschen so wie damals, als man nur das Wort „Blockchain“ in eine Pressemitteilung einstreuen musste, um dem Kurs einer Aktie Auftrieb zu geben. Allerdings sind die Anwendungsfälle mit KI heute wesentlich konkreter als seinerzeit mit der Blockchain. Vielleicht müssen wir abwarten, bis die KI-Agenten von morgen Kryptowährungen für sich entdecken, damit wieder massiv Kapital in diesen Markt fließt. Mit Blick auf die vergangene Woche folgten die anderen Kryptowährungen seit Montag dem Trend des Bitcoin: Der Ether (ETH) fiel um 4,8% auf rund 2.250 USD, der Solana (SOL) gab um 5,5% auf 91 USD nach und der XRP stagniert im Bereich von 1,46 USD.
Ausblick
Für die Märkte war es eine eigenartige Woche, in der sie sich mehr denn je im Spannungsfeld zwischen KI und Inflationsangst bewegten. Bei Redaktionsschluss war klar, dass der große Gipfel der Supermächte ohne nennenswerte Ergebnisse zu Ende gegangen ist. In gewissen Bereichen haben die USA und China zwar wahrscheinlich Fortschritte erzielt, Konkretes wurde allerdings am Ende kaum verkündet. Schlimmer noch: Die Lage in der Straße von Hormus scheint sich nicht zu entspannen, obwohl die Marktteilnehmer große Hoffnungen auf das Treffen der beiden mächtigsten Männer der Welt gesetzt hatten.
Nächste Woche stehen einige wichtige Unternehmenszahlen an. Am Mittwoch präsentiert Nvidia seine Ergebnisse. Außerdem legen Home Depot (Dienstag) und Walmart (Mittwoch) ihre Zahlen vor. In konjunktureller Hinsicht wird die Veröffentlichung der vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (Flash-PMIs) am Donnerstag Aufschluss über die Verfassung der führenden Volkswirtschaften geben.